Mein Kind vor der Berufswahl

Mein Kind vor der Berufswahl

Kennen Sie das? Das Ende des Schuljahres rückt immer näher. Sie sitzen mit Ihrem Kind am Esstisch und stellen die verhängnisvolle Frage: „Hast du schon einen Plan, was du nach der Schule machen möchtest?“ Oder vielleicht sind es auch die Nachbarn, die Bekannten oder Ihre Eltern, die Ihnen im Nacken sitzen? Egal wie – wenn ihr Kind immer noch antwortet „Nö, keine Ahnung.“, und dann den pubertären Wahnsinn aufdreht oder ohne ein weiteres Wort durch die Zimmertür verschwindet, dann kommen Sie nicht weiter. Der Teenager vor der Berufswahl ist meistens eine schwierige Situation, sowohl für ihn selbst als auch für uns Eltern. Im Endeffekt muss er seine Entscheidung für sich alleine treffen – dennoch möchte man als Elternteil natürlich diese schwierige Entscheidung etwas erleichtern und sollte dem Kind als wichtigster Ratgeber aktiv und positiv zur Seite stehen!

Hier sind 5 Tipps, um Ihre Kinder bei der Berufswahl sinnvoll zu unterstützen.


Tipp 1: Finden Sie heraus, was Ihr Kind nicht will!

Vermutlich haben Sie ihrem Kind die gleiche Frage gestellt, die Sie selbst früher immer wieder gehört haben: Was willst du denn mal werden? Du musst doch wissen, welchen Beruf du mal ergreifen willst! Was wünschst du dir denn für deine Zukunft? Vermutlich bekommen Sie darauf ebenso wenig eine konkrete Antwort, wie Sie selbst damals eine haben geben können. Wie denn auch? Wie soll man denn mit 16 bis 18 Jahren wissen, was einem in 20 Jahren noch beruflich Spaß machen könnte? Wie soll man in der heutigen Zeit noch einen Überblick über alle beruflichen Möglichkeiten haben? Wie soll Ihr Kind in dem Alter wissen, was wirklich zu ihm passt? Was also tun? Vielleicht stellen Sie die Frage einmal auf den Kopf! Fragen Sie ihr Kind doch mal, was es nicht will. Vermutlich hat es darüber bereits etwas klarere Vorstellungen wie z. B. „Ich will nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen“, „Ich will nicht ständig nach Vorschriften und Schema F arbeiten“, „Ich will nichts mit Zahlen zu tun haben“, „Ich will nicht ständig Neues lernen müssen“, usw. So schließen Sie gemeinsam immer mehr Alternativen aus und die scheinbar überwältigend große Auswahl an Berufsbildern lichtet sich deutlich.


Tipp 2: Schauen Sie, was übrig bleibt!

Wenn Sie mit Tipp 1 erfolgreich waren, dann wissen Sie jetzt schon einmal, was keine guten Optionen für Ihr Kind sind. Jetzt können Sie schauen, was übrig bleibt! Wenn Ihr Kind keinen Bürojob möchte, wäre vielleicht etwas Handwerkliches angebracht? Nein? Vielleicht eher ein sozialer Beruf, eine Arbeit mit Kindern? Wenn Sie auf etwas stoßen, gegen das ihr Kind nichts einzuwenden hat, sollten Sie gemeinsam recherchieren und tiefer in die jeweiligen Berufsbilder einsteigen. Das Internet ist hierbei eine große Hilfe. Lassen Sie Ihr Kind aber nicht alleine, sondern recherchieren Sie mit ihm gemeinsam. So werden auch Sie auf den neuesten Stand gebracht. Vielleicht findet Ihr Kind doch noch einen Einwand, dann können Sie diesen auf die durch Tipp 1 entstandene Liste setzen und damit weitere Alternativen eliminieren. Im besten Fall wecken Sie jedoch das Interesse des Kindes für ein bestimmtes Berufsfeld und vielleicht weiß es schon ein paar Tage später mehr!


Tipp 3: Sprechen Sie über sich!

Sie standen einst vor genau derselben Frage wie Ihr Kind heute. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber! Wie gestaltete sich Ihr beruflicher Werdegang? Und wie sieht Ihr Berufsalltag heute aus? Ihr Kind ist auch mit Ihrem Berufsleben groß geworden und wurde hierdurch ein Stück geprägt. Es kennt Ihre beruflichen Erfolge wie auch Misserfolge und Sorgen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, was Sie ursprünglich einmal für Berufswünsche hatten, warum Sie diese verworfen oder aber wie Sie diese verwirklicht haben. Beschreiben Sie, wie sich Ihre Berufswahl gestaltet und entwickelt hat, was Sie aus Ihren damaligen richtigen sowie falschen Entscheidungen gelernt haben und wie Ihr Arbeitsalltag heute aussieht. Häufig weiß Ihr Kind zwar oberflächlich, was Sie beruflich tun, aber es weiß nicht, was Ihre Hauptaufgaben sind und Ihre berufliche Verantwortung kennzeichnet. Erklären Sie Ihrem Kind, was Sie an Ihrem Beruf bis heute konkret lieben und was nicht.


Tipp 4: Erinnern Sie sich an die Stärken Ihres Kindes!

Mein Kind? Stärken? Es kann Türen knallen, stapelt die Wäsche als Pyramide im Kleiderschrank und trinkt ein Bier auf ex! In der Pubertät werden die Stärken des Kindes oft von Negativem überlagert. Das heißt aber nicht, dass sie nicht existieren! Erinnern Sie sich zurück. Was hat Ihr Kind früher immer getan? Wo hat es schon im Kindergarten seine offensichtlichen Stärken gezeigt? Wodurch hat es sich bis heute ausgezeichnet? Fiel es ihm schon immer leicht zu lernen? Ist es seit früh an sehr sozial eingestellt, hat Spielzeug, Bonbons und anderes geteilt? Spielte es lieber alleine oder mit anderen Kindern? Hat es immer schon gern gemalt, sein Zimmer einmal monatlich umgestaltet und kreative Geschenke gemacht? Hat es sich immer schon gegen die Appelle der Eltern oder Lehrer aufgelehnt? Sie merken schon, worauf die Fragen abzielen. Kreisen Sie die infrage kommenden beruflichen Tätigkeitsbereiche enger ein! Es gibt Berufsfelder, die sozial eingestellte und ausgerichtete Menschen benötigen wie z. B. im Bereich Pädagogik, Psychologie oder Gesundheitswesen. Und so gibt es andere Berufsfelder, die den dursetzungsstarken, vertriebsorientierten und kommunikativen Typen erfordern wie z. B. in kaufmännischen oder betriebswirtschaftlichen Bereichen. Das Spiel lässt sich endlos weiterspielen. Und wenn Ihnen nichts einfällt, Sie zusammen nicht vorankommen, dann lassen Sie doch einen Profi ran. Nehmen Sie Angebote zur Potenzialanalyse oder Berufsberatung wahr. Vielleicht decken diese bisher unbekannte Talente ihres Kindes auf. Es ist wichtig, dass Ihr Kind sich seiner Stärken bewusst wird, denn wer seine Stärken auch im Berufsleben anwenden und ausbauen kann, wird definitiv eine höhere Jobzufriedenheit erleben.


Tipp 5: Lassen Sie Ihr Kind sich ausprobieren!

Selbst wenn Ihr Kind eine berufliche Entscheidung getroffen hat, muss diese nicht endgültig sein. Vielleicht möchte es nach vier Semestern Germanistik doch noch einmal eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich beginnen. Das ist doch in Ordnung! Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, seinen unterschiedlichen Ideen und Ansätzen nachzugehen. Es wird selbst entdecken, wo es seine Stärken optimal einbringen kann und von welchen Dingen es vielleicht lieber die Finger lassen sollte, von welchen Aufgaben es Abstand nehmen möchte und in welchem Bereich es sich vielleicht weiter vertiefen kann. Die berufliche Entwicklung nimmt dadurch von selbst ihren Lauf und der ein oder andere Schlenker ist dabei weder unüblich, noch von Nachteil. Allerdings: Alles hat seine Grenzen und wer A sagt, muss auch B sagen! Soll heißen: Ihrem Kind muss nach einem solchen Schlenker auch klar sein, die berufliche Neuausrichtung konsequent und ernsthaft anzugehen und idealerweise auch erfolgreich abzuschließen.


Fazit

Sie sind Partner Ihres Kindes! Nehmen Sie sich Zeit und helfen Sie Ihrem Kind, sich einen Überblick zu verschaffen und sich zu orientieren. Wenden Sie vor allem Geduld und Zeit für die berufliche Orientierung Ihres Kindes auf. Denn der richtige Beruf ist im Idealfall immer noch der, der einer Berufung entspringt. Diese entspringt meist dem, was Ihr Kind mit Liebe, Leidenschaft und Lust macht. Und es bildet die Grundlage für Ihr Kind, alle Mühen einer Ausbildung oder eines Studiums auf sich zu nehmen.

Verzweifeln Sie nicht, auch wenn sich Ihr Kind beruflich umentscheidet. Das ist durchaus normal! Eine derart schwerwiegende Entscheidung in einem so jungen Alter zu treffen, ist nicht einfach und Ihr Kind ist darüber mindestens genauso frustriert wie Sie. Erzeugen Sie keinen Druck, sondern sichern Sie ihm Ihre Unterstützung zu. Stehen Sie zu und hinter ihm und unterstützen Sie es aktiv mit Rat und Tat!

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